rechtsextremer Überfall in Lahr

Lahr – Rechtsradikale schlagen Mann zusammen

Neun deutsche und französische Skinheads haben einen 35-jährigen Deutschen tunesischer Abstammung überfallen und brutal zusammengeschlagen. Das Opfer kam verletzt in ein Krankenhaus.

Die Neonazis wurden nach Polizeiangaben später alle festgenommen. Sie sollen heute dem Haftrichter vorgeführt werden. Unter den mutmaßlichen Tätern sind drei Deutsche, die übrigen stammen aus dem Elsass. „Vier von Ihnen sind der französischen Polizei als Neonazis bekannt und haben eine ganze Reihe, nicht nur politisch motivierter Straftaten auf dem Kerbholz. Die drei deutschen Tatverdächtigen, im Alter von 22 bis 24 Jahren, wohnen im Raum Lahr. Auch sie sind bei der Polizei als Rechtsextreme keine Unbekannten“, hieß es in der Mitteilung der Polizei.

Das 35-jährige Opfer wohnt ebenfalls im Raum Lahr. Der Mann musste verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Die Polizei war am Sonntagmorgen kurz vor 2.00 Uhr per Notruf von dem Überfall verständigt worden.

Täter misshandelten Opfer brutal

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler war die Gruppe zufällig auf ihr Opfer gestoßen. Der Mann war auf dem Nachhauseweg von den angetrunkenen Skinheads zunächst angepöbelt worden. Vor einem Lokal überwältigte die Gruppe den flüchtenden Mann und misshandelte ihn. „Selbst als er schon am Boden lag, trat die Gruppe mit ihren schweren Springerstiefeln auf ihr wehrloses Opfer ein“, sagte ein Polizeisprecher.

Die 18 bis 33-jährigen Tatverdächtigen hatten laut Polizei das typische Aussehen von Neonazis: Glatzkopf, Springerstiefel, und Bomberjacken mit verfassungsfeindlichen Symbolen.
(Quelle: swr)

Wer infos hat, kann diese gerne an uns weiterleiten!


3 Antworten auf “rechtsextremer Überfall in Lahr”

  1. 1 Antifa Offenburg 28. November 2006 um 16:45 Uhr

    Haftantrag gegen fünf Neonazis Abo
    Vorführungen beim Haftrichter gingen bis in den Abend

    Von unserem Redakteur Manfred Dürbeck

    LAHR. Bei der brutalen Attacke auf einen 35-jährigen deutschen Staatsangehörigen tunesischer Abstammung richtet sich nach dem vorläufigen Stand der Ermittlungen der Tatverdacht gegen fünf Männer. Gegen diese hat die Staatsanwaltschaft Offenburg Haftantrag beim Amtsgericht gestellt. Die Vorführungen beim Haftrichter dauerten bis Redaktionsschluss noch an.

    Mehreren Personen aus Frankreich und Deutschland, die der rechten Szene zuzuordnen sind, wird vorgeworfen am Sonntag gegen 2 Uhr morgens den 35-Jährigen zunächst angepöbelt und dann geschlagen zu haben. Zur Ermittlung des Sachverhaltes hat die Polizeidirektion Offenburg die elfköpfige Sonderkommission „Stiefel“ eingerichtet. Nach bisherigen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft trafen sich am Samstagabend in einer Lahrer Gaststätte drei Skinheads aus dem Raum Lahr privat mit einer Gruppe französischer Rechtsradikaler. Allesamt sind sie den Behörden beiderseits des Rheines einschlägig unter anderem wegen Gewaltdelikten und rassistischen Beleidigungen bekannt. Im Laufe des Abends wechselte man die Kneipe und sprach auch in dem anderen Lokal erheblich dem Alkohol zu. Gegen 1 Uhr wollte die Gruppe, darunter eine Frau, nach Seelbach zum Katharinenmarkt fahren.

    Auf dem Weg zu den Fahrzeugen stolperte ein 33-jähriger stark betrunkener Franzose aus der Gruppe über seine Springerstiefel und zog sich beim Sturz eine stark blutende Wunde am Kopf zu. Ein Teil der Gruppe zog in Richtung Marktplatz weiter, der Rest blieb beim Verletzten. Nach bisherigen Ermittlungen traf diese Gruppe dann im Bereich des Marktplatzes gegen 2 Uhr auf das spätere Opfer. Der 35-jährige mit orientalischem Aussehen wurde sofort von einigen aus der Gruppe angepöbelt und grundlos getreten. Er flüchtete, woraufhin ihn mindestens fünf der Rechtsradikalen verfolgten und in der Marktstraße einholten. Noch während der Verfolgung ergriff ein 24-Jähriger aus dem Raum Lahr einen Bistrostuhl und schlug diesen dem Flüchtenden auf den Rücken. Der Deutsch-Tunesier stürzte und wurde wehrlos am Boden liegend mit Schlägen und Tritten malträtiert. Dabei erlitt der Mann Schürfwunden und Prellungen an Kopf und Oberkörper. Nach ärztlicher Behandlung konnte er die Klinik wieder verlassen. Entgegen erster Meldungen war der Mann glücklicherweise nur leicht verletzt. Möglicherweise sind die Verletzungen deshalb nicht schlimmer ausgefallen, weil ein Anwohner in der Marktstraße den Vorfall aus dem Fenster beobachtet und sofort die Polizei verständigt hatte. Zusammen mit der Hundestaffel gelang es den Beamten, neun Personen innerhalb der nächsten Stunde festzunehmen. Alle waren mehr oder weniger stark alkoholisiert und mit ihren Springerstiefeln, Bomberjacken und Glatzköpfen als Rechtsradikale deutlich erkennbar. Die Soko „Stiefel“ ermittelt in Zusammenarbeit mit den französischen Behörden. Zeugen sollten sich bei der Polizei ( 0781/2120) melden.

    Oberbürgermeister Müller hat in einem Brief an das Opfer den heimtückischen und brutalen Überfall bedauert. Das Engagement für eine starke Demokratie in einem freien und weltoffenen Deutschland werde verstärkt fortgesetzt.

  2. 2 Antifa Offenburg 28. November 2006 um 16:46 Uhr

    LAHR: Haftbefehl gegen zwei Rechtsradikale

    Im Falle des Übergriffs der französischen und deutschen Rechtsradikalen auf einen 35-jährigen Deutschen am vergangenen Wochenende hat der zuständige Amtsrichter gegen zwei von ihnen – einen 20- und einen 24-jährigen Franzosen – am Montagabend Haftbefehl erlassen. Ihnen wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Beide befinden sich in Untersuchungshaft. Bei den anderen reichte die Beweislage für eine Inhaftierung nicht aus, sie mussten auf freien Fuß gesetzt werden.

  3. 3 Antifa Offenburg 28. November 2006 um 19:33 Uhr

    Stuttgarter Zeitung, Dienstag, 28.11.2006,
    Seite 8, Rubrik „Südwestdeutsche Zeitung“

    Ein „aus der Laune des Augeblicks“ verübter Angriff

    Neonazis aus Lahr und dem Elsass haben 35-Jährigen verprügelt – Keine Hinweise auf deutsch-französisches Skinhead-Netzwerk

    LAHR, Ortenaukreis. Ein Trupp betrunkener Neonazis hat in der Nacht zum Sonntag einen Deutschen tunesischer Abstammung krankenhausreif geschlagen. Es war der erste Vorfall von solcher Gewalt in der Ortenau.

    Von Ute Köhler

    Das Opfer ist seinen Peinigern zufällig in die Arme gelaufen. Hätte der Mann die Lahrer Marktstraße Sonntagnacht ein paar Minuten früher oder später passiert, wäre vermutlich nichts passiert. So aber stieß die Gruppe, die schon eine ausgiebige Tour durch die Lahrer Kneipen hinter sich hatte, stark angetrunken auf den 35-Jährigen, der aus Nordafrika stammt, aber deutscher Staatsbürger ist. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei wurde er erst angepöbelt, dann gestellt und zusammengeschlagen, als er vor seinen Angreifern in Richtung Marktstraße flüchten wollte. Noch als er vor einem Lokal auf dem Straßenpflaster lag, sollen die Täter mit ihren Springerstiefeln auf den hilflosen Mann eingetreten haben. Er wurde später vom Notarzt in ein Krankenhaus gebracht und musste dort bis gestern bleiben.

    Die Täter hat die Lahrer Polizei schon kurz nach dem Überfall dingfest gemacht, obwohl die Männer sich auf der Flucht getrennt hatten. Drei von ihnen sind Deutsche im Alter von 22 bis 24 Jahren, die im Raum Lahr leben. Zwei von ihnen stammen aus den neuen Bundesländern, der dritte ist in Lahr geboren und aufgewachsen. Die anderen sechs mutmaßlichen Täter sind Elsässer zwischen 18 und 33 Jahren. Vier von ihnen sind nach Erkenntnissen des deutsch-französischen Polizeizentrums in Offenburg als Neonazis im Elsass bekannt und bereits straffällig geworden. Auch die drei Deutschen bezeichnete ein Sprecher der Polizeidirektion Offenburg gestern als „amtsbekannte Neonazis“, die sämtliche einschlägigen Delikte von Körperverletzung über Verwendung von Symbolen verfassungsfeindlicher Organistationen bis zum Führen von Waffen bereits verübt hätten. Gleichwohl habe es einen so massiven Vorfall wie den vom Wochenende in der Ortenau bisher nicht gegeben, sagte Polizeisprecher Gernot Müller.

    Nach Einschätzung der Polizei hatte die Gruppe den Vorfall nicht vorab geplant: „Die haben sich zum Saufen getroffen“, erklärte Müller gestern. Die Gewalttat hätten sie quasi aus der Laune des Augenblicks heraus verübt, als ihnen ihr Opfer zufällig begegnete. Die Kontakte zwischen den deutschen und elsässischen Neonazis hält die Polizei für eigentlich privater Natur. Sie würden aber wohl durch übereinstimmende rechtsextreme Gesinnung gefördert. Das bestätigte gestern auch Verfassungsschutzpräsident Johannes Schmalzl gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: Es gebe zwar persönliche Beziehungen zwischen Skinheads über die Grenzen hinweg, aber ansonsten keine intensiven Kontakte zu Frankreich.

    Diejenigen Neonazis, die an dem Übergriff beteiligt gewesen sein sollen, sind gestern dem Haftrichter vorgeführt worden. Auch für die Elsässer unter ihnen sind Haftbefehle beantragt worden.

    Die Freiburger Antifa, ein Zusammenschluss linker und autonomer Gruppierungen, hat Ende Oktober beklagt, dass die Zahl faschistischer Gewalttaten auch in Freiburg „dramatisch ansteigt“. In der Universitätsstadt, die ihr linksliberales Image pflege, würden rechte Tendenzen gerne übersehen. Tatsächlich habe es im September und Oktober vier Vorfälle gegeben, bei denen Mitglieder der linken Szene zielgerichtet Opfer rechter Gewalt geworden seien. Auffällig sei gewesen, dass immer mehrere Angreifer auf Einzelne losgegangen seien. Als Kontrast dazu wurde ein Polizeisprecher zitiert mit dem Satz „Hier lässt es die politische Landschaft nicht zu, dass so etwas größer wird.“ Bei der Polizeidirektion in Freiburg ist der Vorwurf der Antifa bekannt, nicht jedoch die angeblichen Übergriffe.

    Das zuständige Dezernat, das nach Angaben eines Polizeisprechers „in diesem Bereich die Augen und Ohren weit offen“ habe, habe sich sogar – vergeblich – an die Antifa gewandt mit der dringenden Bitte, die genannten Taten anzuzeigen, damit ermittelt werden könne. Auch in Freiburg gebe es zurzeit keine Hinweise auf ein über die Grenze hinweg arbeitendes Netzwerk deutscher und elsässischer Neonazis.

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